Monatsarchiv: Februar 2009

Fotos

neue Fotos in Sonstiges bis Februar und Hausbau,

Korrektur

In Peru sind Invasionen nicht mehr legal. Sie werden vielmehr mit 8 Jahren Haft bestraft.

Das kuerzlich ratifizierte Gesetz hat nur Invasionen vor 1994 legalisiert und das gestohelne Land den Invasoren zugesprochen, sowie Ausgleichszahlungen an die urspruenglichen Besitzer ermoeglicht. Daher hoffen die aktuellen Invasoren, dass das bebaute Land ihnen zugesprochen wird, wenn sie das Land schnell genug als das ihre kennzeichnen (Haeuser, Felder etc.). In anderen Regionen ist es allerdings noch ueblich, dass Land, das frueher landwirtschaftlich genutzt wurde, und von Invasoren besetzt ist, durch die Besetzung aber nicht mehr als Ackerland nutzbar ist (zu viele Haeuser etc.), den Besetzern zugesprochen wird.

Woche 22

Zurzeit fällt es schwer, neue erwähnenswerte Ereignisse zu finden. Das liegt zum einen daran, dass wir nur in Quillazú sind und am (mittlerweile äußerlich schon fast fertigen) Haus arbeiten, zum anderen gewöhnt man sich so sehr an die bestehenden Umstände, dass Dinge, die zu Beginn noch vollkommen neu und faszinierend waren, jetzt einfach zum Alltag gehören. Eine kleine Ausnahme war allerdings die vergangene Woche. Morgens um neun stand plötzlich der Padre aus dem Dorf vor der Tür und meinte, es fände eine Invasion statt und wir müssten schnell die Polizei rufen. Ich war natürlich etwas verwirrt von der Formulierung und wollte mich schon in einen schützenden Abwassergraben werfen, um den anrollenden Panzern zu entkommen und die ideale Verteidigungsstrategie zu finden aber der Padre zeigte auf ein paar Dorfbewohner mit Bananenpflanzen und sagte das seien die Eindringlinge. Der Hintergrund des Ganzen ist, dass wohl ein altes Gesetz aus den Siebzigerjahren wiedereingeführt wurde, das die Bürger ermächtigt, unbebautes Land zu besetzten. Verläuft die Besetzung erfolgreich, d.h. es wird keine Anzeige erstattet, bis die Fläche in irgendeiner Form bebaut ist, gehört das Land den Besetzern. Das ganze hat dafür gesorgt, dass Schutzwälder, Kuhweiden und auch das Land von Prosoya Quillazú als Opferland ausgewählt wurden. Ach ja, und dazu, dass Onkel Alan G. sich bei der Bevölkerung nach seiner Korruptionskrise wieder größerer Beliebtheit erfreut. Es gibt allerdings auch die findigen Makler, die sich das zunutze machen, Geld von naiven Dorfbewohnern sammeln, unter dem Vorwand, mit der Invasion sicher neues Land erwerben zu können, und dann auch bei erfolglosem Ausgang das Geld behalten. Im Erfolgsfall wird das geklaute Land einfach weiterverkauft. Ironisch an der ganzen Gelegenheit ist, dass man als Invasionsgeschädigter Ausgleich beantragen kann, der vom Steuerzahler bezahlt wird. Der Durchschnittsinvasor schießt sich also je nach Verantwortungsgefühl und Abhängigkeit dem Staat gegenüber selbst ins Knie. Die Geschädigten sind also: -Landbesitzer, deren Land geklaut wird -Invasoren, die von Maklern ausgenommen werden -Der Steuerzahler (inkl. Invasoren und -wenigstens das- Makler) Die Gewinner der Situation: -Die Makler -Der nette Onkel, der ein bürokratisches Geldkarussell als soziale Gesetzgebung verkauft Es kamen also (von der Bürgermeisterin organisiert) ca. 90 Personen auf das Grundstück gelaufen und pflanzten ihre Bananen. Das Dorf war schon gut informiert und obwohl manche die Invasion nicht unterstützenswert fanden, hatte man in der monatelangen Planungsphase Prosoya nicht an dem Spaß teilhaben lassen. Demzufolge waren wir etwas überrumpelt und auch noch ohne Verantwortliche im Projekt und mussten erstmal eine Nachricht nach Huancabamba senden (mit dem Taxi, weil das Telefon nicht funktioniert), damit Hugo Anzeige erstatten und die fröhliche Invasorenbande rauswerfen konnte. Die reagierte etwas gekränkt und meinte, Prosoya sei ja wohl ein Sozialprojet und man könnte doch wohl ein bisschen Land entbehren Als sie dann trotzdem gehen mussten, wurde als Zeichen der Entrüstung und mit ziemlich südamerikanischem Pathos eine Peruflagge gehisst. Das Positive an der Aktion für Prosoya ist, dass jetzt schon vorbereitete Flächen zum Anbau von Grenadinen da sind (wir danken den Invasoren) und bei der nachfolgenden Landvermessung festgestellt wurde, dass ziemlich viel über das Jahr langsam weggeräubertes Land doch zum Projekt gehört. Darunter auch schön gerodete Flächen zum Anbau. Ich werde mich jetzt mal auf die Suche machen, ob ich ein Stück Land finde, was mir gefällt. Ich würde als Invasor wenigstens noch nicht mal als Steuerzahler belastet werden… Viele Grüße, Caspar